Stress – Schlüssel zur Gesundheit im 21. Jahrhundert – Part 3

Yannic Wilhelmi arbeitet als selbständiger Personal Trainer und Referent. Durch zielgerichtetes Training und individuelle Ernährungsstrategien hilft er seinen Kunden dabei ihre Ziele zu verwirklichen. Der Einfluss des Hormonsystems auf den Körper nimmt in seiner Arbeit einen besonderen Stellenwert ein.

 


Chronisch krank = chronisch gestresst?!?

Cortisol hat auf nahezu jede Zelle unseres Körpers Einfluss. Laut dem amerikanischen Stress-Experten Shawn Talbott ist Cortisol das einzige Hormon, das im Verlaufe des Lebens vermehrt produziert wird. Alle anderen Hormone (Testosteron, Schilddrüsenhormone, etc.) werden aufgrund einer reduzierten Produktionsfähigkeit des Körpers weniger gebildet. Cortisol nimmt somit eine Sonderstellung ein und ist so ein Teil des Alterungsprozesses. Um die akuten und langfristigen Wirkungen von (zu viel) Cortisol greifbarer zu machen, wurden die vier Artikel verfasst.

Die Wichtigkeit des Tagesverlaufs wurde im ersten Artikel erklärt. Die Unterstützung des Tagesverlaufs durch die richtige Auswahl des Essens im zweiten Artikel. Das in Artikel eins eingeführte Konzept des Stress-Bechers gibt die Richtung vor, um langfristig von Stress unversehrt zu bleiben: Regelmäßiges Essen hochwertiger Lebensmittel und erholsamer Schlaf sind die beste Vorbeugung von akut erhöhten Cortisolwerten.

Es ist wichtig zwischen akut und chronisch erhöhten Cortisolspiegeln zu unterscheiden. Ein akut (= unmittelbar, kurzfristig, schnell) erhöhter Cortisolspiegel stellt kein gesundheitliches Problem für unseren Körper dar, da Cortisol nur kurzfristig ansteigt und schnell wieder abgebaut werden kann. Problematisch bleibt somit ein chronisch (= dauerhaft, langfristig, permanent) erhöhter Cortisolspiegel. Neben dem Ansteigen von Blutdruck und Herzfrequenz wirkt Cortisol akut entzündungshemmend. Das bedeutet: Cortisol schützt akut sogar unseren Körper. Wenn wir uns beispielweise in der Küche in den Finger schneiden, verhindert Cortisol, dass unser Immunsystem den verletzten Finger angreift und das Gewebe zersetzt. Wenn Cortisol chronisch erhöht ist, führt das wiederrum zu einer dauerhaften Unterdrückung unseres Immunsystems. Das ist nicht gut. In diesem Fall sind wir deutlich empfindlicher gegenüber Bakterien und Viren und dadurch vermutlich häufig krank. Somit macht nicht nur die Dosis, sondern auch Dauer und Zeitpunkt, das Gift.

Die entscheidende Frage lautet nun: ab wann ist Stress als chronisch einzuordnen? Anzeichen für chronischen Stress liegen vor, wenn mehrere der folgenden Punkte zutreffen:

Gewichtszunahme an der Taille, verminderte Muskelmasse, dünne Haut, wahrgenommener Stress, Gedächtnisschwäche, Müdigkeit, Tendenz zum Frösteln, Herzklopfen, Süßappetit, verminderte Libido, Haarverlust

Cortisol & Darm

Die Darmgesundheit steht in unmittelbarer Wechselwirkung mit unserer Gesamtgesundheit. Der Darm nimmt aufgrund seiner anatomischen Lage (Mitten in uns drin) eine zentrale Rolle für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit ein. Der Umweltmediziner Klaus-Dietrich Runow führt eine Vielzahl chronischer Erkrankungen auf eine gestörte Darmgesundheit zurück. Er zeigt anhand wissenschaftlicher Untersuchungen den Zusammenhang zwischen verschiedenen Darmerkrankungen und Krankheitsbildern wie Autismus, Depressionen, Allergien auf. Ein kranker Darm ist nichts anderes als ein großer interner Stressor. Mitten in unserem Körper. Die Zellwand unseres Darms ist nur eine Zellschicht dick. Aufgrund dieser anatomischen Gegebenheit ist der Darm sehr sensibel. Das hat wiederum zur Folge, dass der Darm gesund sein muss, andernfalls droht er schnell kleine Löcher zu kriegen (engl.: „leaky gut“) und stellt einen riesigen Stressor für unseren Körper dar.

Ein weiterer Effekt von Cortisol bezieht sich auf das Mikrobiom unseres Darms. Das Mikrobiom ist die Gesamtmenge an Bakterien in unserem Darm. Das Gesamtgewicht an Bakterien im Darm wird auf zwei bis drei Kilogramm geschätzt. Entscheidend für unsere Gesundheit ist, dass die richtige Balance zwischen guten und schlechten Darmbakterien (= Darmflora) vorherrscht. Chronisch erhöhtes Cortisol fördert das Wachstum von pathogenen (= schlechten) Bakterienkulturen in unserem Darm und führt zum Absterben gesunder Bakterien. Die gestörte Balance der Darmbakterien wird als Dysbiose bezeichnet. Liegt eine Dysbiose vor, haben wir einen starken internen Stressor in uns. Nahezu alle chronischen Erkrankungen (= chronischer Stress) gehen mit einer gestörten Darmflora einher.

Die Schilddrüsenhormone, auch bekannt als T4 und T3, beeinflussen jede Zelle unseres Körpers. Sie sind die Triebfeders unseres Stoffwechsels, verhindern die Ansammlung von Körperfett, regulieren die Verdauung und stärken unser Immunsystem. Cortisol reduziert die Menge an T4 und T3, die gebildet wird und verhindert die Umwandlung von T4 in T3, was der entscheidende Schritt ist, um einen aktiven Stoffwechsel sein eigen nennen zu dürfen.

Cortisol beeinflusst nicht nur die weichen Organe wie unseren Darm oder unsere Muskulatur. Es hat auch einen Einfluss auf unseren harten Stützapparat aus Knochen, Knorpeln, Bändern und sogar den Zähnen. Unser Körper befindet sich in einem permanenten Auf- (= anabol) und Abbau (= katabol) von Körperstrukturen. Keine menschliche Zelle ist älter als sieben Jahre. Cortisol ist ein kataboles Hormon, das bedeutet es entleert Körperspeicher wie Glykogen aus der Leber, löst Proteinstrukturen in der Muskulatur auf und macht Knochen und Zähne weich.

An den Knochen fördert chronisch erhöhtes Cortisol die Entstehung der sogenannten Osteoporose (= Entmineralisierung). Bei der Osteoporose wird mehr Knochenmaterial ab- als aufgebaut was auf Dauer dazu führt, dass der Knochen dünner wird, an Stabilität verliert und leichter brechen kann. An den Zähnen zeigt sich ein ähnliches Bild. Cortisol beschleunigt den Abbau der Zahnmasse und sorgt so dafür, dass Zähne brüchig werden und eher ausfallen.

Alles in allem lässt sich festhalten, dass Cortisol weitreichenden Einfluss auf unsere Gesundheit hat. Die dargestellten Wechselwirkungen zwischen Cortisol stellen selbstverständlich nur einen Teil der betroffenen Organe dar. Der Einfluss von Cortisol auf die Sexualhormone sowie der optimale Aufbau des Fitness-Trainings wird im letzten Artikel der Serie dargestellt.

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