Keton-Präparate – Leistungsbooster im Ausdauersport?

Im Spitzensport entscheiden oft nur Teile einer Sekunde über Sieg und Niederlage. Die Sportler und Teams versuchen deshalb ihre Leistung bis ins letzte Detail auszubauen. Je höher jedoch der Leistungsstand der Athleten ist, desto geringer werden die Fortschritte im Training. Man spricht in dem Zusammenhang oft von „Marginal Gains“. Also von minimalen Leistungsverbesserungen die am Ende über den Sieg entscheiden können. 

Durch was oder auch wie diese Marginal Gains zustande kommen kann sehr vielseitig sein – und wir sprechen hier von sauberen Methoden gemäß der Dopingliste. Schnell gelangt man bei diesem Thema zu den Nahrungsergänzungsmitteln.

Es gibt Nahrungsergänzungsmittel, die zu einer Leistungsverbesserung führen können und es gibt andere, zu denen es noch keine Studien gibt, oder noch keine Wirkungen belegt worden sind, oder welche bei denen Studien gezeigt haben, dass sie schlichtweg keine signifikante Wirkung zeigen. 

Aus aktuellem Anlass nach der diesjährigen Tour de France  sollen in diesem Artikel die als Wundermittel neu erschienenen Keton-Präparate beleuchtet werden. Tragen sie Tatsächlich zu einer Leistungsverbesserung im Ausdauersport bei, auch wenn nur geringfügig?

Die letzten Monate hörte man immer wieder von Keton-Präparaten, die besonders im Radsport eingesetzt werden um die Ausdauerleistungsfähigkeit zu verbessern. Doch was sind überhaupt Ketone?

Ketone können als Energielieferanten von unserem Körper selbst hergestellt werden. Das ist der Fall, wenn über einen längeren Zeitraum wenige bis keine Kohlenhydrate zur Verfügung stehen. Der Fehlen der Kohlenhydrate verhindert, dass leistungsnotwendige Prozesse mit Energie versorgt werden. Die Ketonkörper werden gebildet um die Kohlenhydrate als Energielieferanten zu ersetzen.

Kann eine Supplementierung dieser Ketone aber unsere Ausdauerleistungsfähigkeit verbessern?

Viele Athleten und Trainer sagen „Ja“. Jumbo-Visma-Teamchef Richard Plugge sprach in einem Interview über den Einsatz dieser Ketonkörper in seinem Team und betonte, dass es sich hierbei ja keineswegs um Doping handle. Auch soll das deutsche Team Bora-Hansgrohe diese Keton-Supplemente bereits ausgetestet haben.

Andere Teams nutzen diese Präparate bewusst nicht. Sie begründen das damit, dass die Supplementierung mit Ketonköropern noch relativ unerforscht sei und noch nicht ausreichend über die Vor- und Nachteile bekannt ist.

Dieses Argument ist auch gut begründet. Denn die aktuelle Studienlage ist tatsächlich noch unschlüssig wenn es um die Nahrungsergänzug mit Ketonen geht.

Eine Studie von Philippe J. M. Pinckaers et. Al aus dem Jahr 2017 konnte keine Daten finden, die beweisen das Ketone tatsächlich die Leistungsfähigkeit steigern.

Eine andere Studie von Pete J.Cox et. Al aus dem Jahr 2016 konnte zeigen, dass durch eine Ketonkörper-Supplementierung die Fett-Oxidation verbessert wurde, was wiederum vorteilhaft für einige Athleten sein kann. 

In einer Studie der Universität Leuven wurde kürzlich herausgefunden, dass Ketonpräparate bis zu 15 Prozent mehr Leistung den Ausdauersportlern bringen sollen. Ein schier unglaublicher Wert, welcher aufgrund der Studiendesigns und -größe in Bezug auf Ausdauerleistungssport in der Praxis sicherlich angezweifelt werden darf.

Es fehlen also weiterhin eindeutige Studien die belegen, dass Ketonkörper die Audauerleistung verbessern können. Zu diesem Zeitpunkt lässt sich also leider nicht sagen ob die Supplemetierung sinnvoll ist oder nicht. Es bleibt abzuwarten wie sich die Studienlage in der Zukunft entwickeln wird und ob Ketonkörper ein Standard-Supplement für Ausdauersportler werden. 

Die Frage bleibt also offen, im Falls des Teams Jumbo-Visma um Richard Plugge liest es sich aber erfolgsversprechend: 39 Saisonsiege fuhr die Equipe in diesem Jahr ein.

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